Know How: Navigation in Gezeitengewässern

Es gehört wohl zu den absoluten Alptraumszenarien aller Segler: auf Grund laufen. Die Gründe für eine Grundberühung können so vielfältig sein, eine Untiefe übersehen, verpasst das Lot zu checken, von Strömung oder Wind vom Kurs abgetrieben oder oder oder. Auf der Rundeuroparoute habe ich deshalb den größten Respekt vor der Nordseeküste und dem Englischen Kanal mit den dort herrschenden Gezeiten. Fahrtenseglern die bislang überwiegend auf der Ostsee oder dem Mittelmeer unterwegs waren, sind Gezeiten fast völlig unbekannt oder zumindest sind Gezeiten für sie kein elementer Faktor in der Navigation. Für die Nordseeküste und den Englischen Kanal sieht das anders aus. Ohne Einbeziehung der Gezeiten ist keine sinnvolle Planung möglich. Es gibt etwa Häfen, die bei Niedrigwasser nicht angelaufen werden können, sondern nur bei ausreichend Wasserstand. Das bedeutet im Umkehrschluß, dass wenn man in so einem Hafen erstmal liegt, man auch nicht so einfach nach Lust und Laune wieder auslaufen kann.

Beeindruckend ist auch, sich den Tidenhub – also den Höhenunterschied zwischen Ebbe und Flut – in Zahlen anzuschauen:

In Roscoff, einem Hafen in der Bretagne, schon sehr weit westlich und kurz vor dem Atlanik oder etwa in Le Havre, in der Normandie, werden durchschnittlich 8m Tidenhub gemessen. Das entspricht etwa der Höhe eines Einfamilienhauses.

Nun fällt es auch nicht weiter schwer sich vorzustellen, dass Wasser welches in regelmäßigen Abständen zu- und abfließt auch eine starke Strömungsgeschwindigkeit hat. Auch das muss bei der Navigation berücksichtig werden, sonst macht man gegen den Strom zwar Fahrt durchs Wasser, aber keine Fahrt über Grund. Bestenfalls plant man so, dass man mit dem Strom abläuft und die Gezeitenströmung so zum eigenen Vorteil nutzt.

Guido Dwersteg von der Carpe Diem hat zur Navigation in Gezeitenrevieren ein tolles Youtube Video veröffentlicht. Da wird die Komplexität des Themas noch mal deutlich.

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