Know How: SRC Seefunkprüfung bestanden

Short_Range_CertificateVor zwei Wochen hatte ich mich kurzfristig entschlossen, noch in dem Jahr die Prüfung für das Short Range Certificate (SRC) oder auch das Seefunkzeugnis abzulegen. Gestern war nun in Berlin-Spandau die Prüfung und was soll ich sagen: BESTANDEN! 🙂

Somit ist der Lappen mein und ich kann von meiner Planungs- und Vorbereitungsliste wieder einen Punkt abhaken. Ein paar Informationen, die für potentielle Prüflinge zum SRC Seefunkzeugnis interessant sind.

Auf was soll ich mich vorbereiten?

Der zum SRC abgeprüfte Stoff ist sehr umfangreich und baut größtenteils aufeinander auf. „Mut zur Lücke“ kann daher ziemlich in die Hose gehen.

Zum einen gibt es ein Diktat, bei dem eine Funkmeldung auf Englisch vorgelesen wird. Der Prüfling muss die Meldung schriftlich korrekt in Englisch aufnehmen und anschließend ebenfalls schriftlich sinngemäß ins Deutsche übersetzen. Der Text der Funkmeldung ist eine zufällige Auswahl aus 27 bekannten Texten. Eine zweite Funkmeldung aus diesen 27 Texten wird desweiteren auf deutsch vorgegeben und muss korrekt schriftlich ins Englische übersetzt werden. Für beides zusammen hat man 15 Minuten Zeit. Auf Aufforderung entsprechend dem Funkprotokoll wiederholt der Prüfer gerne Bestandteile der diktierten Meldung oder buchstabiert auch.

Aufforderung 1: „Please repeat Name/Callsign/Position.“

Aufforderung 2: „Please spell Name/Position.“

Den umfangreichsten Teil bildet der Theorieteil im Multiple-Choice Verfahren. Hier muss ein Fragebogen mit 24 Fragen innerhalb von 60 Minuten beantwortet werden. Der Fragebogen ist einer von zwölf. Insgesamt gibt es 180 mögliche Fragen (von denen aber wie gesagt nur 24 in der Prüfung rankommen). Auf den 12 Fragebögen wiederholen sich einige Fragen, d.h. einige Fragen vom 1. Bogen gibt es auch auf dem 12. Bogen oder anderen. Die Fragen reichen dabei von nautischem Allgemeinwissen wie „Wozu dient GPS?“ und spezifischen Verfahrensfragen wie „Wie setze ich einen Dringlichkeitsruf ab, wenn Kanal 16 besetzt ist?“ bis zu technischen Fragestellungen, wie etwa „Wie hoch ist die durchschnittliche Leistungsaufnahme eines Funkgeräts bei 25 Watt Sendebetrieb?“

Last but not least, der praktische Prüfungsteil. Hier wird entweder im Partnerverfahren, d.h. zwei Prüflinge parallel die ein Szenario durchspielen, oder ein Kandidat einzeln geprüft. Der Pflichtteil der praktischen SRC Prüfung umfasst Not- und Dringlichkeitsfunkverkehr auf Englisch, sowohl per DSC als auch per Sprechfunk. Zusätzlich zum Pflichtteil werden allgemeine Fähigkeiten geprüft, wie der Umgang mit dem Controller, Sicherheitsverkehr oder Routinefunk.

Wie soll ich mich auf die SRC Seefunkprüfung vorbereiten?

Hier kann ich nur für mich sprechen oder höchstens allgemeine Tipps nach meinem Verständnis geben. Die ultimative Antwort zur perfekten Vorbereitung um die SRC Prüfung zu bestehen, gibt es wahrscheinlich nicht. Meine Strategie zum „Seefunkzeugnis in 14 Tagen“ möchte ich jedoch doch darstellen. Vorweg, ich hab zwar Erfahrung auf See, aber ich habe noch NIE vor diesen zwei Wochen ein Funkgerät bedient.

1. Fragebogentraining

Alles was hier hilft ist „Augen auf und durch“. Es gibt einige Online-Trainer, bei denen man sich durch die 12 Fragebögen im Multiple-Choice Verfahren durcharbeiten kann. Mein Favorit ist der SRC Fragebogen-Trainer von Nautik-Funk Berlin. Ich habe hier jeden Abend mindestens zwei Fragebögen konzentriert durchgearbeitet. Der Aufwand dafür liegt bei etwa 30-45 Minuten und wird mit jedem weiteren Bogen weniger (weil sich einige Fragen wiederholen). Anfangs hatte ich die Musterlösungen zu den Bögen auf einem extra Bildschirm offen und haben im ersten Durchlauf der 12 Bögen nur jeweils die richtigen Antworten angekreuzt. So bleibt bei mir das Richtige eher im Gedächtnis und mit dem Falschen beschäftige ich mich gar nicht erst. Nach 6 Tagen hatte ich alle Bögen einmal durch. Im zweiten Durchlauf habe ich dann die Bögen ohne die Musterlösungen gemacht und jeden Bogen so lange wiederholt, bis er fehlerfrei saß. Der oben verlinkte Trainer von Nautik Funk Berlin prüft die Antworten gleich und sagt ob richtig oder falsch. Zwei Tage vor der Prüfung konnte ich so jeden Bogen in 4-6 Minuten beantworten bei einer Null-Fehler-Quote.

2. Praktischer Unterricht

Gleich nachdem ich die Entscheidung zum Seefunkzeugnis getroffen hatte, habe ich mich zum praktischen Funkkurs angemeldet. Es gibt unglaublich viele Funkschulen, die Prüfungsvorbereitungen anbieten. Meine Wahl fiel auf Nautik Funk Berlin.

SRC-Seefunk-Controller-tds
SRC Seefunk Controller bei Nautik Funk Berlin
  1. Es gibt relevante und genaue Informationen zur Prüfung auf der Website. Das weist darauf hin, dass die dort Erfahrung damit haben.
  2. Es gibt überhaupt eine Website und man kann über viele Wege mit der Schule in Kontakt treten. Für mich als Büromensch ist das unglaublich wichtig.
  3. Der Preis liegt im unteren Mittelfeld. Zum Vergleich: AWN mit der Skipperakademie ist am teuersten. Ob der Preis durch Zusatzleistungen gerechtfertigt ist, kann ich nicht sagen. Wenn jemand den AWN Kurs gemacht hat, bitte melden 🙂
  4. Es wurden Wochenendekurse und Termine zum Üben unter der Woche angeboten, die zu meiner Planung passen. Zudem ist Ingmar, der Inhaber von Nautik Funk Berlin, sehr flexibel und stellt sich zeitlich gerne auch auf die Kursteilnehmer ein.

Während der praktischen Vorbereitung ist eins ganz wichtig: ÜBEN ÜBEN ÜBEN, wann immer man die Chance hat, ran an das Funkgerät und loslegen. Keine Angst vor Fehlern haben. Immerhin ist man zum lernen und üben da und hat dafür auch das Geld bezahlt. Wenn man Fehler macht, sich verbessern lassen und gleich wieder ran und weiter funken. Wenn nach einem Freiwilligen gesucht wird, der anfängt, gleich melden. Das Funkgerät ist dein Freund, nicht dein Feind 🙂 Ich hatte den Wochenendkurs (Sa-So von 11-16:30h) und eine Partnerüberungseinheit (siehe praktische Prüfung weiter oben) unter der Woche für 2 Stunden.

3. Vokabeln lernen

Ohne das Funkalphabet auf Englisch geht es nicht. Das muss sowas von im Schlaf sitzen und sollte schon zum praktischen Unterricht solide beherrscht werden. Im Zweifelsfall kann man da noch spicken, aber in der Prüfung nicht mehr. Dann gibt es noch 15-30 weitere Englischvokabeln, die man schriftlich und mündlich draufhaben sollte. Darunter sind maritime und nautische Begriffe wie Anker, Verkehrstrennungsgebiet, Fahrwasser, rechtweisend Kurs/Peilung, die Himmelsrichtungen, etc und allgemeine Begriffe wie bewusstlos, Hilfe/Unterstützung, usw. Es kursieren auch Listen mit prüfungsrelevanten Vokabeln (Download als PDF)  im Internet zu finden.

Wie läuft die Prüfung ab?

funkbetriebszeugnisse
Das Seefunkzeugnis, nur Eins von Dreien

Zunächst meldet man sich mit dem Ausweis beim Prüfer an. Diese checken dann, ob man zur Prüfung zugelassen ist. Danach stellen die Prüfer sich vor und nennen einige Details zum Ablauf der Funkprüfung. Bei uns in Berlin wurden neben dem SRC Seefunk noch UBI Binnen und auch Sportbootführerscheine geprüft. Kann also sein, dass man mit vielen Leuten im Raum sitzt (WICHTIG: Dokumentenechten Stift zur schriftlichen Prüfung mitbringen!). Dann werden die Vorlagen für das Diktat verteilt und der Prüfer beginnt mit dem Diktat des Funkspruchs. Ist der aufgenommen und übersetzt kann man sich gleich an das Übersetzen des deutschen Funkspruchs machen. Währenddessen bekommt man den Fragebogen ausgeteilt. Hat man den durchgearbeitet, verlässt man den Raum und geht in entweder in ein separates Zimmer, indem die praktische Prüfung abgenommen wird oder man muss warten, bis alle mit dem schriftlichen Teil durch sind und wird dann zur praktischen Prüfung aufgerufen.

Weshalb überhaupt den Seefunkschein machen?

Die Gründe für den SRC Schein sind sicherlich einige. Mir geht es darum ein großes Stück Sicherheit für meine Crew, das Boot und mich zu gewinnen. Indem ich in der Lage bin ein Funkgerät richtig zu bedienen und am Funkverkehr teilnehmen zu können (vom dürfen mal abgesehen), schaffe ich Sicherheit. Im Gespräch mit anderen zu dem Thema ist immer wieder aufgekommen „Es hört doch eh keiner zu und wenn doch, dann macht keiner was.“ Das mag vielleicht traurigerweise für einen Teil der Sportschifffahrt zutreffen, aber wenn ich ein AIS an Bord habe, was für Berufsschifffahrt verpflichtend ist, dann kann ich andere Schiffe, im Zweifelsfall eben genau diese Berufsschifffahrt wenn nötig gezielt ansprechen und Hilfe erbeten.

Hinzu kommt, dass ich in der Lage bin mitzubekommen, wenn jemand anderes Hilfe braucht, was ohne Funkgerät und sichere Bedienung dessen nicht der Fall sein muss.

 

Abschließend möchte ich einigen Leuten danken, die mich auf dem Weg zum SRC Schein unterstützt haben. Zunächst einmal dem Ingmar von Nautik Funk Berlin, der mich großartig auf die Prüfung vorbereitet hat. Dann meiner besseren Hälfte, die einerseits die letzten 14 Tage viel Verständnis aufgebraucht hat, wenn ich mich abends zum lernen „vergraben“ habe und die mich Vokabeln abgefragt hat. Und dann schließlich meinen Eltern, die mir Kurs und Prüfung als Geburtstagsgeschenk gesponsort haben 🙂

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3 Gedanken zu „Know How: SRC Seefunkprüfung bestanden

  • Dezember 15, 2014 um 5:43 pm
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    Moin Martin!

    Danke Dir für den ausführlichen Beitrag – beantwortet tatsächlich auch mir einige Fragen die ich bei der Beschäftigung mit dem Thema Funkschein hatte.

    Lese hier schon eine Weile mit und dachte, ich lass es Dich auch mal wissen.

    Cheers,
    Matthias

    Antwort
    • Dezember 15, 2014 um 8:10 pm
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      Moin Matthias, das freut mich 🙂 Gerne mehr wissen lassen oder Fragen zu was stellen. Jede Frage und jede Antwort bringt auch mich weiter.
      VG
      Maddin

      Antwort
  • November 12, 2016 um 10:58 pm
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    Hallo Martin,

    danke für den Beitrag. Ich habe vor kurzem den SBF-See ebenfalls in Berlin gemacht und interessiere mich jetzt fürs Funken. Ich kann Deutsch (habe ja die SBF-See-Prüfung auf Deutsch abgelegt und bestanden), bin aber Englisch-Muttersprachler. Meinst du, dass die SRC-Prüfung leichter oder schwieriger wäre für jemanden wie ich?

    Philip.

    Antwort

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