Segeln in der Ägäis – Chios

Von Athen nach Chios
Von Athen nach Chios

Chios war Startpunkt unserer Reise im Mai. Von Athen aus ging es mit Olympic Air hierher. Bereits im Anflug sieht man, dass Chios zwar zu den größeren Inseln der Ägäis gehört, tatsächlich ist sie die fünftgrößte Insel Griechenlands, aber nur dünn besiedelt ist. Das Inselinnere wird, wie bei vielen Inseln in der Gegend, von Bergen dominiert. Auf der Ostseite der Insel liegt der Chios National Airport, „Omiros“. Von hier aus sind es nur knapp 10 Minuten mit dem Taxi nach Norden in die Innenstadt von Chios.

Dass die Insel seit 5.000 Jahren bewohnt ist, glaubt man sofort. Wahrscheinlich sind einige Straßen mindestens genauso alt. In einem erfreulicheren Zustand ist der Hafen. Entlang der Südmole finden Yachten jeglicher Größe Platz und es gibt ausreichend Säulen für Landstrom und Wasser. Angelegt wird hier, wie meist im Mittelmeer, „römisch-katholisch„, also mit ausgebrachtem Buganker und Heckleinen. Moorings sucht man vergeblich. Zwar gibt es ganz im Osten der Pier ein paar Moorings, aber die sind den Fischern vorbehalten.

Frühstück in Chios
Frühstück in Chios

Entlang des Hafens hat Chios einiges zu bieten. Da sind zum einen Dutzende Cafes, Bars und Restaurants, aber auch Mietwagenstationen und Yachtausstatter. Südlich des Hafens, bereits eine Querstraße hinter den Bars, findet man Supermärkte, bei denen man sich nach Herzenslust verproviantieren kann. Wichtig: bitte keinen Lebensmitteldiscounter erwarten. Viel eher gleichen die Märkte gut sortierten Tante-Emma-Läden oder Berliner Spätis. Trotzdem muss man nichts vermissen! Wer kein Griechisch spricht, braucht keine Sorge haben nicht verstanden zu werden. Wie in jeder Stadt, die auf Touristen eingestellt ist, kann man getrost auf Englisch zurückgreifen.

Galeerenanker am Nordpier von Chios
Galeerenanker am Nordpier von Chios

Überhaupt hat Chios Touristen einiges zu bieten und dazu muss man sich nicht mal unbedingt aus der Stadt rausbewegen. Nördlich des Hafens, nur ein paar Fußminuten in die Altstadt hinein, ist ein wunderschön restauriertes türkisches Hamam Bad aus dem 16. Jahrhundert. Einen Steinwurf davon entfernt, ist der historische Marktplatz. Folgt man von diesem aus der alten Hauptstraße, die eine charmante Flaniermeile ist, erreicht man den heutigen Stadtkern und dort das Rathaus und den weitläufigen Stadtpark. Spätestens hier, unter den Palmen auf einer Parkbank, stellt sich beim gestressten Mitteleuropäer das Urlaubsgefühl ein.

Unbedingt probieren! Das lokale Craft Bier.
Unbedingt probieren! Das lokale Craft Bier.

Trotz aller Entspannung muss man ja irgendwann weiter. Die Verkehrsanbindung von Chios ist traumhaft! Sowohl per Flieger, als auch per Fähre, hat man eine riesige Auswahl an Zielen, darunter Rhodos, Piräus, Thessaloniki, Samos oder Lesbos.  Wir hatten die Fähre von Chios nach Cesme, also auf das etwa 3 Seemeilen entfernte türkische Festland, genommen. Die Fähre fährt in der Saison zwei Mal täglich, morgens und abends. Wann genau Saison ist, konnte uns allerdings niemand sagen. Auch das ist Griechenland: warten was passiert, bis es passiert.

Share
Reisebericht – Auf dem Weg zum Segeln in der Ägäis

Reisebericht – Auf dem Weg zum Segeln in der Ägäis

Griechenland AegaeisGeht euer Urlaub auch immer viel zu schnell zu Ende?  Dieser hätte für mich auch noch viel länger gehen können. Schon immer wollte ich mal nach Griechenland, was lag also näher, als den Urlaub auf dem Wasser zu verbringen. Besonders schön war allerdings für mich, dass ich meinen Vater, vom den ich die Segelleidenschaft in die Wiege gelegt bekam, als Reisebegleiter hatte. Als jemand der noch nie in dieser Ecke des Mittelmeers gesegelt war, konnte ich nur schwer abschätzen was uns erwartet. Hinzu kam die Vorfreude darauf endlich mal auf einer Ketsch unterwegs zu sein und damit endlich auch mal mit einem Segelplan zu arbeiten, der aus mehr als Groß- und Vorsegel besteht. Die Segelreise auf der DAISY war zugleich mein Saisonauftakt und gleich vorweg, nur wenig lief, wie es eigentlich geplant war – was allerdings keineswegs ein Nachteil sein sollte 🙂

Ursprünglich war geplant in Chios zur Crew dazu zustoßen und dann Kurs gen Rhodos zu setzen. Es kam etwas anders…

Von Berlin-Tegel aus ging es per Aegean Airlines nach Athen und von dort mit einen zweistündigen Aufenthalt weiter nach Chios. In Athen kam die schlagartige Erkenntnis, dass die Uhren eine Stunde weitergestellt werden müssen. Also habe ich von dort aus noch schnell in unserem Hotel auf Chios Bescheid gegeben, dass unser Check-in sich um eine Stunde nach hinten verschiebt.

Michalis, hotelier of the IONIA ROOM directly at the Chios harbor
Michalis, hotelier of the IONIA ROOM

Now a short passage in English, cause I want to greet our most generous and hospitable hotelier Michalis from the IONIA ROOMS hotel. Many thanks to you and G. for being such warm-hearted hosts. Werner and me enjoyed our stay in Chios, last but not least cause of your help and travel advices. Best regards!

Noch am gleichen Abend ereilte uns in Chios die Nachricht, dass die DAISY nicht wie geplant Griechenland anlaufen kann, sondern in Ayvalik, also auf türkischer Seite, im Hafen festhängt. Der Skipper Hermann hatte uns per SMS gleich einen Routenvorschlag zur Anreise mitgeschickt. Dieser sah vor mit der Fähre von Chios nach Cesme (nur knapp 3 sm) zu fahren und dann von dort aus mit dem Bus über Izmir nach Ayvalik weiter zu reisen.

Guter Plan soweit, also legten wir noch einen Vormittag für Sightseeing in Chios ein und nahmen um 17 Uhr die Fähre von Chios nach Cesme. In der Türkei angekommen stellten wir erstmal fest, dass wir nur EURO dabei haben und eigentlich auf die Türkei überhaupt nicht vorbereitet waren. Unglaublicherweise stolperten wir unmittelbar hinter dem Fährhafen über den Vorgarten eines Hotels, in dem tatsächlich Strelitzien wuchsen. Diese Blumen sind das inoffizielle Wahrzeichen meiner Heimatstadt Neustrelitz. Es musste also genau dieses Hotel für uns sein, war ja nur eine Nacht und bei diesem Vorzeichen? Nachdem kurz geklärt wurde, dass wir in EURO bezahlen konnten – wir hatten noch immer keine türkischen Lira -, gönnten wir uns einen kleinen Stadtbummel und schauten auch beim Busbahnhof vorbei, um die Weiterreise nach Ayvalik abzuklären. An der Stelle muss ich sagen, dass ich immer noch überwältigt von der Hilfsbereitschaft sowohl in der Türkei als auch in Griechenland bin. Jeder vom Busfahrer bis zum Dönerdreher, egal wie gut oder holprig die Kommunikation war, hat sich unglaublich Mühe gegeben und nie locker gelassen, bevor wir nicht zufrieden waren. Von der Schnoddrigkeit im Dienstleistungsbereich wie sie einem hier in Deutschland gelegentlich begegnet keine Spur.

Die Neustrelitzer vor den Strelitzien in Cesme.

But back to our stay in Cesme and again some words in English. The next greetings go to our host at the Marina Sahil Apart Otel and his friends (don’t think we forgot about your „Guten Morgen“ 😉 ). Thanks you guys for this marvelous evening. And even more thanks to the fabulous Gizem Sargın, finalist at the turkish Popstars 2013. Your amazing voice and passion for music is outstanding and we wish you the very best for your future. Let us know when you and your friend stay in Germany. We’ll be glad to seeing you again!

Wie geplant ging es also von Cesme via Izmir nach Ayvalik. Das sind gut 260 km bei knapp 4 Stunden Fahrtzeit per Bus, plus 2 Stunden Zwischenstopp für das Umstiegen in Izmir. Der Busbahnhof Izmir (Izmir Otogar) ist im übrigen mit nichts zu vergleichen, was ich aus Deutschland oder von sonstwo kenne. In Schottland habe ich schon große Überlandbusbahnhöfe gesehen, aber Izmir sprengt alles! Die Busterminals erstrecken sich über zwei Etagen und innen und drum herum gibt es alles von Teestuben, Klamottenläden, Friseuren, Banken, Bäcker, Imbissen, etc. Der Busbahnhof ähnelt eher einem mittelgroßen Flughafen. Und obwohl da ein wahnsinniges Gewühle war, war es kein Chaos sondern total geordnet. Auch die Busse waren im top Zustand – was bei der vorherrschenden Fahrweise in der Türkei an ein Wunder grenzt – und absoluter Luxus. Erholt kamen wir also schließlich abends nach 6 Stunden in Ayvalik an und konnten zur Crew stoßen.

TDS DAISY Ship
Die DAISY unter Segeln

Von der Marina Ayvalik ging es dann nach einem weiteren Tag Aufenthalt endlich in See. Unsere Route führte an Lesbos vorbei durch die Straße von Chios und die Straße von Foumi nach Samos, von dort aus weiter über das ikarische Meer nach Kos und weiter durch die Dodekanes nach Symi und schließlich nach Rhodos. Insgesamt vier wunderbare Tage auf See mit insgesamt 277 sm, voller Staunen und mit Glanzstücken der Seemannschaft. Doch dazu in Kürze mehr und ausführlicher.

Share

Einen Seemeilennachweis führen

Für die meisten Bootsführerscheine, die über den Sportbootführerschein See hinausgehen, muss man entsprechende nautische Erfahrung nachweisen. Für deutsche Zeugnisse wie den Sportküstenschifferschein (SKS) oder den Sportseeschifferschein (SSS) müssen beispielsweise 300 Seemeilen bzw. 1.000 Seemeilen in küstennahen Gewässern nachgewiesen werden. Die englische Entsprechung der deutschen Scheine sind der Yachtmaster Coastal und der Yachtmaster Offshore der Royal Yachting Association (RYA). Für diese Zertifikate werden unter anderem Nachweise über 800 bzw. 2.500 Seemeilen benötigt.

Seemeilen sammeln ist für den ambitionierten Segler auf großer Fahrt also mehr als nur Beschäftigungstherapie. Der Nachweis über gefahrene Seemeilen gilt auch als Nachweis über geleistete Seemannschaft – die man dann in entsprechenden praktischen und theoretischen Prüfungen noch belegen muss.

Wann sollte man nun mit dem „Meilensammeln“ anfangen? Die Antwort darauf ist denkbar einfach: so früh wie möglich!

Meilennachweis
Beispieltörn im Meilenbuch

Wie läuft das mit dem Seemeilennachweis? Generell gibt es keine feste Form, in der der Meilennachweis zu erfolgen hat. Es gibt jedoch bestimmte Informationen, die aus dem Nachweis ersichtlich sein müssen:

  • das Datum des Törns
  • Ausgangs- und Zielhafen oder Routenbeschreibung
  • die eigene Funktion an Bord
  • Anzahl der gefahrenen Seemeilen (laut Logbuch)
  • Schiffsname
  • Name des Eigners
  • Schiffsflagge
  • Name des Skippers und dessen Qualifikation

Meine Meilen dokumentiere ich in einem Meilenbuch (von Rolf Dreyer). Das ist klein und handlich, lässt sich leicht verstauen, verfügt über einen harten, robusten Einband und bringt alle erforderlichen Felder für den Meilennachweis mit. Man muss es nur noch ausfüllen. Der Kostenpunkt von knapp 10 € ist für mich OK. Wie bereits gesagt, ist man nicht an diese Form gebunden. Es würde auch gehen, wenn man sich eine eigene Vorlage etwa in MS Word macht oder im Netz nach einer Vorlage sucht. Hauptsache man kann es lesen und alle nötigen Informationen sind enthalten.

Wie man sieht, gehöre ich an Bord eher zu den Schreibfaulen 🙂 Von daher beschreibe ich lediglich die jeweiligen Häfen entlang der Route und sammel dann von den jeweiligen Häfen die Stempel. Das stempeln übernimmt der Hafenmeister. Das dient dem Nachweis, dass man tatsächlich da war und sich das nicht nur ausdenkt.

Sehr wichtig ist es, die eigene Funktion an Bord herauszustellen. Wer nur als Crewmitglied unterwegs ist, wird diese Meilen für eine Prüfungszulassung zum Führerschein nicht anerkannt bekommen. Die eigene Funktion muss Schiffsführer (Skipper), Wachführer oder Navigator sein. Wer sich also auf einen Törn zum Meilen sammeln einchartert, sollte den Skipper vorab darüber informieren und sich dann auch auf eine Funktion einigen.

Weitere Fragen in Zusammenhang mit dem Führen eines Meilennachweises.

Zählen nur die Meilen unter Segel? Nein, es zählen die gesamt auf der Strecke zurückgelegten Meilen, analog zum Logbuch. Dazu gehören im übrigen auch An- und Ablegemanöver im Hafen.

Was, wenn ich selbst der Skipper bin? Ganz einfach, der Skipper darf für sich selbst unterschreiben. Am besten noch Zeugen, etwa ein Crewmitglied,  bitten die Angaben schriftlich im Meilenbuch als Zeuge zu bestätigen oder einen Charterbeleg für die Fahrt beifügen..

 

 

Share
Vorbereitungen auf die Segelsaison 2015

Vorbereitungen auf die Segelsaison 2015

Nach über zwei Monaten Funkstille wird es Zeit, wieder ein Lebenszeichen von sich zu geben. Nicht, dass der Eindruck entsteht, ich wäre untätig gewesen oder hätte das Vorhaben schleifen lassen oder mich gar davon verabschiedet 🙂

Tatsächlich habe ich genau das gemacht, was der Segler im Winter tut: sich auf die kommende Segelsaison vorbereiten.

Was gehört zu diesen Saisonvorbereitungen dazu? Wer bereits Eigner eines Bootes ist, der verbringt die Zeit oft mit Bootspflege und Arbeiten im Winterlager. Gerade unter Eignern von Holzbooten gilt eine Weisheit, die mein Vater – selbst über Jahrzehnte Eigner mehrerer verschiedener Holzboote – mir früh vermittelte: „Für jede Stunde segeln im Sommer, verbringst Du zwei Stunden Arbeit im Winterlager.“

Doch wer denkt, dass „kein Boot haben“ gleichzusetzen ist mit „sich keine Gedanken machen müssen“, der ist im Unrecht. Die Aufgaben sind nur andere. Meine Saisonvorbereitungen für das Segeljahr 2015 umfassen lesen, lernen und planen.

Lesen

Was gibt es Schöneres, als dem kalten, feuchten deutschen Winter mit einem schönen Buch über Segeln zu entfliehen. Insbesondere zwei Bücher haben mich diesen Winter vor Trübsal gerettet und die Vorfreude auf die Saison wach gehalten (zu Amazon auf die Bilder klicken).

BlueShip – Zwei Männer und viel Meer: Eine ungewöhnliche Weltumseglung
Komm, wir segeln um die Welt

 

Vom „BlueShip“ gibt es einen Dokumentarfilm, der super lustig und charmant sein muss. Was Hubi und Richi erlebt haben, ist einfach der blanke Wahnsinn. Aber genau das ist es doch eigentlich, worum es beim Fahrtensegeln geht: Neues und anders er-leben und sehen, dass man klar kommt und es genießen kann.

Das Buch von Beate beschreibt viele unterschiedliche Phasen einer Langfahrt in einer sehr menschlichen und auch unbedarften Art. Deshalb scheint das Buch die Seglergemeinschaft stark zu polarisieren. Mir gefällt ihr Blickwinkel als Besatzungsmitglied und Segelneuling, bringt das doch einige Perspektiven, die uns, die wir auf Booten aufgewachsen sind, fehlen. Das Buch ist schon vor 40 Jahren erschienen und wäre es weniger menschlich, mehr technisch oder stärker nautisch bezogen, wäre sicherlich einiges inzwischen antiquiert. So aber ist ihre Geschichte immer noch top aktuell. Sie lebt inzwischen auch in Berlin. Vielleicht bekomme ich es hin, dass man sich trifft. Wäre jedenfalls ein Kracher 🙂

Lernen

„Wer seine Schwächen nicht kennt, hat eine Stärke zu wenig.“ Lothar Habler

Schon als ich den Plan zum „Segelabenteuer Europa“ gefasst habe, war mir bewusst, dass ich in bestimmten Themen Defizite habe. Lernen und der Aufbau von Wissen, um diese Lücken zu schließen, ist daher für mich unerlässlich. Das Erreichen des SRC Seefunkzeugnis hat mich schon ein gutes Stück vorangebracht, allerdings fühle ich noch zu viel Unsicherheit beim Thema Yachtwartung. Ich möchte in der Lage sein Notreparaturen an Bord, sowohl am Rumpf und den Aufbauten, aber auch an der Elektrik und dem Motor eigenständig durchzuführen und den Kahn für die Besatzung sicher in den nächsten Hafen (oder auf die nächste Sandbank) bringen zu können. Zudem ist es mir wichtig, dass ich die Arbeit von Fachleuten am Boot verstehe, selbst wenn ich sie nicht machen kann, und wenn es nur ist, um nicht total abgezockt zu werden und für eine Reparatur 1000 € hinzulegen, wenn das eigentlich eine Kleinigkeit wäre. Vor diesem Hintergrund also habe ich angefangen mich mittels Fachliteratur (zu Amazon auf die Bilder klicken) in zwei Themenbereiche einzuarbeiten.

Bootswartung: Maschine - Rumpf - Deck von Pat Manley
Bootswartung: Maschine – Rumpf – Deck von Pat Manley

Dieselmotoren: Funktion - Betrieb - Wartung von Andrew Simpson
Dieselmotoren: Funktion – Betrieb – Wartung von Andrew Simpson

Planen

2015_03_05_20_12_20_OpenSeaMap_die_freie_Seekarte

Hier sind so viele glückliche Umstände zusammengekommen, dass es einem fast peinlich sein kann 🙂 Einerseits sind in unserer Firma die Urlaubstage aufgestockt worden, so dass ich in den Vorteil von noch mehr Zeit zum Segeln komme. Andererseits habe ich über den Winter ganz unglaublich tolle Menschen kennen lernen dürfen, deren Saisonplanung sich ganz hervorragend um meine Person ergänzt. Es sind für die Segelsaison 2015 drei Törns geplant, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Der Saisonauftakt ist im Mai und führt mich auf die Ägäis (eine Premiere für mich!). Mein Vater und ich sind bei Hermann zu Gast auf seiner DAISY, einer wunderschönen Ketsch.

Wenn der zweite Törnplan aufgeht, dann führt er mich eine Woche im August auf den Solent und den Ärmelkanal. Das wäre schon ein echter Knaller, denn das sind aufgrund der Tide und dem Seeverkehr sehr anspruchsvolle Segelreviere. Beim Gedanken daran endlich mal die Kanalinseln Guernsey oder Jersey zu besuchen und diese seglerisch herausfordernden Reviere zu befahren, kribbelt es richtig vor Vorfreude. An den Törn bin ich über das Segeln Forum gekommen.

Definitiv ein absolutes Highlight wird der dritte Törn. Im September geht’s eine Woche zu einem Flottillentörn nach Kroatien (nahe Zadar). Hier freue ich mich gerade auf den Austausch mit anderen Skippern, aber auch auf einen entspannten Saisonabschluss.

Wie sah eure Saisonvorbereitung aus oder seid ihr noch mitten drin?

Share

Know How: Top 10 Knotenkunde – Seemannsknoten Hitliste

Man braucht sie. Man – gerade als Anfänger – hasst sie. Und das, obwohl sie an Bord unsere besten Freunde sind: Seemannsknoten. Allgegenwärtig sind die Worte meine Segellehrers aus Jugendjahren, „Ein Knoten muss sich leicht stecken oder schlagen lassen, stabil bei Belastung sein und sich leicht wieder lösen lassen. Dann ist es ein echter Seemannsknoten“. Im Grunde habe ich dem auch nach vielen hundert Seemeilen nichts hinzuzufügen.

Hier meine Hitliste der wichtigsten Seemannsknoten an Bord

Knoten die jedes Crewmitglied auf einer Langfahrt draufhaben sollte, sind grün markiert.

  1. Achtknoten (Leinenende sichern, z.B. um das Durchrutschen eines Schotendes durch einen Block zu verhindern)
  2. Kreuzknoten oder noch besser, der Zeppelinstek (zwei gleich dicke Leinen verbinden, z.B. wenn man zwei gleiche Leinen zu einer Schleppleine verbindet)
  3. Schotstek (zwei unterschiedlich dicke Leinen verbinden, z.B. eine Festmacherleine mit einer Wurfleine verbinden)
  4. Kopfschlag (zum Belegen einer Leine an einer Klampe, z.B. beim Festmachen am Hafen)
  5. Palstek (um eine sich nicht zuziehende Schlinge in eine Leine zu machen, z.B. beim Festmachen an einem Pfahl oder wenn man eine Rettungsschlaufe zum bergen machen muss)
  6. Webleinstek (Festmachen einer Leine an einem Ring oder Pfahl)
  7. Rundtörn mit zwei halben Schlägen (Festmachen einer dünneren Leine an einem Ring oder Pfahl, wenn der Webeleinstek sich zu festziehen würden)
  8. Roringstek, ich nenne ihn meist „Ankerknoten“ (Festmachen an einem Ring oder Kettenglied)
  9. ??
  10. ??

Weshalb sind mir die grün markierten Knoten wichtig und weshalb bestehe ich darauf, dass meine Mitsegler die Knoten beherrschen (wer sie nicht kann, bekommt sie während der Fahrt beigebracht)? Ich bin wirklich kein Pedant sondern eher ein Pragmatiker. Auf einem Boot sollte man sich jedoch bei allen sicherheitsrelevanten Dingen keinen Schlendrian erlauben. Und genau das sind Knoten für mich: sicherheitsrelevant. Es ist wichtig, dass die Knoten schnell gemacht sind. Es ist wichtig, dass die Knoten, wenn nötig, schnell wieder gelöst werden können und zwar von allen und nicht erst mit Hilfe einer Axt oder eines Messers eine Leine gekappt werden muss. Es ist wichtig, dass die Knoten halten, weil sonst vielleicht in der Nacht das Boot, vom Anker losgelöst, auf eine Untiefe läuft, oder dass das Boot, wenn man vom Einkaufen zurück ist, plötzlich mit der Nachbaryacht kuschelt und sich gerade eine Relingstütze liebevoll durch das Gelcoat des teuren Nachbarn scheuert (sowas passiert immer nur dann, wenn neben einem das teuerste Boot vom Hafen liegt), oder dass bei einer Bö eine Klemme bricht und eine Schot oder ein Fall durch Block und Rolle läuft und … was auch immer alles geschehen kann.

Also, gute Knoten sind keine Beschäftigungstherapie oder ein Ausleben meiner fiesen, sadistischen Ader – oder zumindest nur ein bisschen, sie sind sicherheitsrelevant, für alle an Bord.

Noch ein Tipp: Wer Knoten üben möchte, aber keine Leinen daheim hat, der kann auf Bootsmessen sehr preiswert oder manchmal sogar kostenlos Leinenreste bei Ausstattern ergattern.

Hier noch ein paar weiterführende Links zu Websites, die sich mit Knoten befassen, Anleitungen und Videos:

http://www.segel-filme.de/praxis/knoten-und-spleissen/

http://www.seemannsknoten.info/

http://www.wasserwacht-bernau.de/knoten.htm


 

 

Share

Community: Gewittersegeln – Autoren und Erfahrungsberichte gesucht

„Gewitter trifft jeden auf dem Meer im Lauf eines Seglerlebens. Niemand ist davor gefeit. Es gibt kaum eine andere Situation, in der es derart auf seglerisches Können, eigene Instinkte und gute Seemannschaft ankommt. Und Glück.“, so leiten Susanne und Thomas von Mare Più ihren Artikel zum Thema Gewittersegeln sein und sie haben Recht.

Wohl jeder Segler ist im Laufe seines Lebens schon mit Unwetter in Berührung gekommen, die einen freiwillig, die anderen unfreiwillig. Umso erstaunlicher ist es, dass es laut Thomas und Susanne noch kein Buch dazu gibt. Als Verlagsprofis sehen beide eine Lücke, die es zu schließen gilt.

Sie rufen deshalb in ihrem Blog Mare Più andere Segler auf, ihre Erfahrungen zum Thema Segeln bei Gewitter zu teilen. Mehr Informationen zum gewünschten Text, Format und Stil, sowie die Kontaktadresse gibt es HIER.

Share

Know How: SRC Seefunkprüfung bestanden

Short_Range_CertificateVor zwei Wochen hatte ich mich kurzfristig entschlossen, noch in dem Jahr die Prüfung für das Short Range Certificate (SRC) oder auch das Seefunkzeugnis abzulegen. Gestern war nun in Berlin-Spandau die Prüfung und was soll ich sagen: BESTANDEN! 🙂

Somit ist der Lappen mein und ich kann von meiner Planungs- und Vorbereitungsliste wieder einen Punkt abhaken. Ein paar Informationen, die für potentielle Prüflinge zum SRC Seefunkzeugnis interessant sind.

Auf was soll ich mich vorbereiten?

Der zum SRC abgeprüfte Stoff ist sehr umfangreich und baut größtenteils aufeinander auf. „Mut zur Lücke“ kann daher ziemlich in die Hose gehen.

Zum einen gibt es ein Diktat, bei dem eine Funkmeldung auf Englisch vorgelesen wird. Der Prüfling muss die Meldung schriftlich korrekt in Englisch aufnehmen und anschließend ebenfalls schriftlich sinngemäß ins Deutsche übersetzen. Der Text der Funkmeldung ist eine zufällige Auswahl aus 27 bekannten Texten. Eine zweite Funkmeldung aus diesen 27 Texten wird desweiteren auf deutsch vorgegeben und muss korrekt schriftlich ins Englische übersetzt werden. Für beides zusammen hat man 15 Minuten Zeit. Auf Aufforderung entsprechend dem Funkprotokoll wiederholt der Prüfer gerne Bestandteile der diktierten Meldung oder buchstabiert auch.

Aufforderung 1: „Please repeat Name/Callsign/Position.“

Aufforderung 2: „Please spell Name/Position.“

Den umfangreichsten Teil bildet der Theorieteil im Multiple-Choice Verfahren. Hier muss ein Fragebogen mit 24 Fragen innerhalb von 60 Minuten beantwortet werden. Der Fragebogen ist einer von zwölf. Insgesamt gibt es 180 mögliche Fragen (von denen aber wie gesagt nur 24 in der Prüfung rankommen). Auf den 12 Fragebögen wiederholen sich einige Fragen, d.h. einige Fragen vom 1. Bogen gibt es auch auf dem 12. Bogen oder anderen. Die Fragen reichen dabei von nautischem Allgemeinwissen wie „Wozu dient GPS?“ und spezifischen Verfahrensfragen wie „Wie setze ich einen Dringlichkeitsruf ab, wenn Kanal 16 besetzt ist?“ bis zu technischen Fragestellungen, wie etwa „Wie hoch ist die durchschnittliche Leistungsaufnahme eines Funkgeräts bei 25 Watt Sendebetrieb?“

Last but not least, der praktische Prüfungsteil. Hier wird entweder im Partnerverfahren, d.h. zwei Prüflinge parallel die ein Szenario durchspielen, oder ein Kandidat einzeln geprüft. Der Pflichtteil der praktischen SRC Prüfung umfasst Not- und Dringlichkeitsfunkverkehr auf Englisch, sowohl per DSC als auch per Sprechfunk. Zusätzlich zum Pflichtteil werden allgemeine Fähigkeiten geprüft, wie der Umgang mit dem Controller, Sicherheitsverkehr oder Routinefunk.

Wie soll ich mich auf die SRC Seefunkprüfung vorbereiten?

Hier kann ich nur für mich sprechen oder höchstens allgemeine Tipps nach meinem Verständnis geben. Die ultimative Antwort zur perfekten Vorbereitung um die SRC Prüfung zu bestehen, gibt es wahrscheinlich nicht. Meine Strategie zum „Seefunkzeugnis in 14 Tagen“ möchte ich jedoch doch darstellen. Vorweg, ich hab zwar Erfahrung auf See, aber ich habe noch NIE vor diesen zwei Wochen ein Funkgerät bedient.

1. Fragebogentraining

Alles was hier hilft ist „Augen auf und durch“. Es gibt einige Online-Trainer, bei denen man sich durch die 12 Fragebögen im Multiple-Choice Verfahren durcharbeiten kann. Mein Favorit ist der SRC Fragebogen-Trainer von Nautik-Funk Berlin. Ich habe hier jeden Abend mindestens zwei Fragebögen konzentriert durchgearbeitet. Der Aufwand dafür liegt bei etwa 30-45 Minuten und wird mit jedem weiteren Bogen weniger (weil sich einige Fragen wiederholen). Anfangs hatte ich die Musterlösungen zu den Bögen auf einem extra Bildschirm offen und haben im ersten Durchlauf der 12 Bögen nur jeweils die richtigen Antworten angekreuzt. So bleibt bei mir das Richtige eher im Gedächtnis und mit dem Falschen beschäftige ich mich gar nicht erst. Nach 6 Tagen hatte ich alle Bögen einmal durch. Im zweiten Durchlauf habe ich dann die Bögen ohne die Musterlösungen gemacht und jeden Bogen so lange wiederholt, bis er fehlerfrei saß. Der oben verlinkte Trainer von Nautik Funk Berlin prüft die Antworten gleich und sagt ob richtig oder falsch. Zwei Tage vor der Prüfung konnte ich so jeden Bogen in 4-6 Minuten beantworten bei einer Null-Fehler-Quote.

2. Praktischer Unterricht

Gleich nachdem ich die Entscheidung zum Seefunkzeugnis getroffen hatte, habe ich mich zum praktischen Funkkurs angemeldet. Es gibt unglaublich viele Funkschulen, die Prüfungsvorbereitungen anbieten. Meine Wahl fiel auf Nautik Funk Berlin.

SRC-Seefunk-Controller-tds
SRC Seefunk Controller bei Nautik Funk Berlin
  1. Es gibt relevante und genaue Informationen zur Prüfung auf der Website. Das weist darauf hin, dass die dort Erfahrung damit haben.
  2. Es gibt überhaupt eine Website und man kann über viele Wege mit der Schule in Kontakt treten. Für mich als Büromensch ist das unglaublich wichtig.
  3. Der Preis liegt im unteren Mittelfeld. Zum Vergleich: AWN mit der Skipperakademie ist am teuersten. Ob der Preis durch Zusatzleistungen gerechtfertigt ist, kann ich nicht sagen. Wenn jemand den AWN Kurs gemacht hat, bitte melden 🙂
  4. Es wurden Wochenendekurse und Termine zum Üben unter der Woche angeboten, die zu meiner Planung passen. Zudem ist Ingmar, der Inhaber von Nautik Funk Berlin, sehr flexibel und stellt sich zeitlich gerne auch auf die Kursteilnehmer ein.

Während der praktischen Vorbereitung ist eins ganz wichtig: ÜBEN ÜBEN ÜBEN, wann immer man die Chance hat, ran an das Funkgerät und loslegen. Keine Angst vor Fehlern haben. Immerhin ist man zum lernen und üben da und hat dafür auch das Geld bezahlt. Wenn man Fehler macht, sich verbessern lassen und gleich wieder ran und weiter funken. Wenn nach einem Freiwilligen gesucht wird, der anfängt, gleich melden. Das Funkgerät ist dein Freund, nicht dein Feind 🙂 Ich hatte den Wochenendkurs (Sa-So von 11-16:30h) und eine Partnerüberungseinheit (siehe praktische Prüfung weiter oben) unter der Woche für 2 Stunden.

3. Vokabeln lernen

Ohne das Funkalphabet auf Englisch geht es nicht. Das muss sowas von im Schlaf sitzen und sollte schon zum praktischen Unterricht solide beherrscht werden. Im Zweifelsfall kann man da noch spicken, aber in der Prüfung nicht mehr. Dann gibt es noch 15-30 weitere Englischvokabeln, die man schriftlich und mündlich draufhaben sollte. Darunter sind maritime und nautische Begriffe wie Anker, Verkehrstrennungsgebiet, Fahrwasser, rechtweisend Kurs/Peilung, die Himmelsrichtungen, etc und allgemeine Begriffe wie bewusstlos, Hilfe/Unterstützung, usw. Es kursieren auch Listen mit prüfungsrelevanten Vokabeln (Download als PDF)  im Internet zu finden.

Wie läuft die Prüfung ab?

funkbetriebszeugnisse
Das Seefunkzeugnis, nur Eins von Dreien

Zunächst meldet man sich mit dem Ausweis beim Prüfer an. Diese checken dann, ob man zur Prüfung zugelassen ist. Danach stellen die Prüfer sich vor und nennen einige Details zum Ablauf der Funkprüfung. Bei uns in Berlin wurden neben dem SRC Seefunk noch UBI Binnen und auch Sportbootführerscheine geprüft. Kann also sein, dass man mit vielen Leuten im Raum sitzt (WICHTIG: Dokumentenechten Stift zur schriftlichen Prüfung mitbringen!). Dann werden die Vorlagen für das Diktat verteilt und der Prüfer beginnt mit dem Diktat des Funkspruchs. Ist der aufgenommen und übersetzt kann man sich gleich an das Übersetzen des deutschen Funkspruchs machen. Währenddessen bekommt man den Fragebogen ausgeteilt. Hat man den durchgearbeitet, verlässt man den Raum und geht in entweder in ein separates Zimmer, indem die praktische Prüfung abgenommen wird oder man muss warten, bis alle mit dem schriftlichen Teil durch sind und wird dann zur praktischen Prüfung aufgerufen.

Weshalb überhaupt den Seefunkschein machen?

Die Gründe für den SRC Schein sind sicherlich einige. Mir geht es darum ein großes Stück Sicherheit für meine Crew, das Boot und mich zu gewinnen. Indem ich in der Lage bin ein Funkgerät richtig zu bedienen und am Funkverkehr teilnehmen zu können (vom dürfen mal abgesehen), schaffe ich Sicherheit. Im Gespräch mit anderen zu dem Thema ist immer wieder aufgekommen „Es hört doch eh keiner zu und wenn doch, dann macht keiner was.“ Das mag vielleicht traurigerweise für einen Teil der Sportschifffahrt zutreffen, aber wenn ich ein AIS an Bord habe, was für Berufsschifffahrt verpflichtend ist, dann kann ich andere Schiffe, im Zweifelsfall eben genau diese Berufsschifffahrt wenn nötig gezielt ansprechen und Hilfe erbeten.

Hinzu kommt, dass ich in der Lage bin mitzubekommen, wenn jemand anderes Hilfe braucht, was ohne Funkgerät und sichere Bedienung dessen nicht der Fall sein muss.

 

Abschließend möchte ich einigen Leuten danken, die mich auf dem Weg zum SRC Schein unterstützt haben. Zunächst einmal dem Ingmar von Nautik Funk Berlin, der mich großartig auf die Prüfung vorbereitet hat. Dann meiner besseren Hälfte, die einerseits die letzten 14 Tage viel Verständnis aufgebraucht hat, wenn ich mich abends zum lernen „vergraben“ habe und die mich Vokabeln abgefragt hat. Und dann schließlich meinen Eltern, die mir Kurs und Prüfung als Geburtstagsgeschenk gesponsort haben 🙂

Share

Messebesuch: Boot & Fun Berlin 2014 – Ein Rückblick

Letzten Sonntag. 30.11, war es soweit. Bei dem 1. Advent angemessenen frostigen Temperaturen ging es per S-Bahn zum ICC und zur Messe. Meine Erwartungen an die Boot & Fun waren hoch, wahrscheinlich zu hoch. Vielleicht war der Besuch auf der hanseboot einige Wochen vorher daran Schuld, denn diese war mein Maßstab für die Boot und Fun in Berlin. Das war wahrscheinlich mein Fehler.

Doch besser beginne ich von vorn. Bereits vor der Messe hat ich mich auf der Website etwas über das Programm informiert. Es klang in etwa mit der Größe der hanseboot vergleichbar. Gute Sache, hat diese mir doch gut gefallen. Ein Plan war also schnell gefasst.

  1. Über Segelyachten informieren und dabei die eigenen Vorstellungen im Blick haben und diese erneut überprüfen
  2. Den Gebrauchtbootmarkt checken
  3. Interessante Kontakte knüpfen
  4. Nach Schnäppchen bei Segelklamotten suchen (Segeljacke, Segelhose, ggf. Bootsstiefel/-schuhe, ihr kennt das)

Schnell an der Kasse den Eintritt abgedrückt und das Ticket geschnappt. 25m nach der Ticketkontrolle die erste Überraschung: eine Halle komplett zum Thema Kanu, mit Becken, um gleich loszutesten. Klasse Sache! Ich persönlich liebe es mit dem Kajak Flüsse entlang zu paddeln. Immerhin heißt die Messe „Boot und Fun“ und auch ein Kanu oder Kajak ist ein Boot. Kurz rumgeschaut und für nett befunden, aber ich kenne Spezialmessen, etwa die PaddelExpo in Nürnberg, die da mehr zu bieten hat. Also weiter im Text, irgendwo müssen meine Segelyachten ja sein.

Die nächste Halle war ganz und vollständig dem Angelsport gewidmet. WOW, ich wusste gar nicht, dass das Thema Sportangeln (oder Sportfischen, der Unterschied ist mir nicht klar, aber wahrscheinlich furchtbar wichtig) so komplex ist. Es gab sogar eine Bühne, wo Redner vor artig sitzenden Publikum über die Eigenschaften bestimmter Fischarten in bestimmten Gewässern referierten. Gut, Angeln schreibe ich dann mal dem Fun in „Boot und Fun“ zu. OK, aber weiter, irgendwo müssen ja meine Segelboote sein.

Halle Nr. 3, Tauchen, Surfen, Funsportarten, wieder Fehlanzeige, dafür viele Neoprenanzüge und bunte Badeshorts. Nett, aber noch keine Boote. Ich beginne zu zählen, 2:1 für die „Fun und Boot“.

Nächste Halle, ich sehe SEGEL, heureka! Doch nicht etwa die gedachten SegelYACHTEN meiner Vorstellung. Vorwiegend Daysailer und Boote in der Größenordnung um die 25 Fuß. Dazu Segelzubehör, Dienstleister, wieder eine Bühne (es ging glaube ich gerade um Bootsversicherungen und Schadensfälle) und Segelvereine. Und am Rand der Halle, da entdecke ich doch einen alten Bekannten von der hanseboot. Stephan und Polly von Diggerhamburg.com präsentieren in Berlin den Stand der Dinge beim Bente24 Projekt. Kurz mal vorbeigeschaut, die neusten Konzepte an der Pinnwand begutachtet, hallo gesagt und weiter gehts. Schließlich gibt es einen Plan.

Windcatcher-Nicole-tds
Windcatcher auf der Boot und Fun

In der Halle nebenan, wo die Wakeboarder sich austoben, damit steht es 3:2 für Fun vs Boot, treffe ich Nicole von Windcatcher. Wir hatten uns per Facebook verabredet, weil ich unbedingt mehr über die handgenähten Taschen aus Segelstoff erfahren wollte. Der Clou ist nämlich, dass das Segel, welches das Material für die Taschen liefert, eine bewegte Geschichte hat. Doch das würde den Rahmen hier sprengen. Mehr an anderer Stelle.

Die Hälfte der Messe habe ich gesehen und bislang wenig von meiner Liste erledigt. Ob sich das noch ändert? Also weiter gehts, nächste Halle. Hier dreht sich alles um Motoren, Yachtelektronik und Zubehör. Spannend, zumal ich mir eh vorgenommen habe insbesondere in das Thema Elektronik und Elektrik einzusteigen. Am Stand von Ferropilot nimmt sich sogar der Chef persönlich Zeit, meine unbedarften Anfängerfragen ernsthaft und verständlich zu beantworten. Und das sind nicht wenige: Was sind Vor- und Nachteile unterschiedlicher Batterien? Wie stelle ich sicher, dass alle Batterien angemessen geladen werden? Wie rechne ich Verbraucher so ein, dass ich die passende Batteriegröße finde? Ich habe da jetzt einige Hausaufgaben vor mir 🙂 Doch weiter durch die Halle und tatsächlich entdecke ich einen Stand mit Klamotten. Halt, zurück, ja, i c h  e n t d e c k e  E I N E N  S t a n d  m i t K l a m o t t e n. An der Stelle sei abgekürzt, auf der ganzen Messe, in 11 Hallen, sind ganze zwei Stände mit Coastal oder Offshore-Segelklamotten, davon beide in der erwähnten Halle. Und diese Stände sind nicht etwa besonders groß. Nach dieser Halle lasse ich alle Hoffnung fahren auf der Messe überhaupt noch was Interessantes zu finden. Ich soll mich irren – GOTT SEI DANK!

Auch hier kürze ich die restliche Messerennerei ab. In immerhin drei Hallen gibts es unterwegs große lange Pinnwände, auf denen Gebrauchtboote angeboten werden. Motorboote und Daysailer überwiegen deutlich, aber auch die ein oder andere Segelyacht 31+ Fuß ist dabei. Einge davon auch in der Preisklasse, die ich inzwischen ungefähr anpeile. Immerhin gibt mir das ein Gefühl nicht komplett mit meinen Anforderungen daneben zu liegen. Man muss halt nur suchen.

Schließlich finde ich dann auch noch ein paar größere Segelyachten. Ich bin tatsächlich zweimal dran vorbeigelaufen (!!). Weshalb, weil die verdammten Dinger keinen Mast dran hatten und ich aufgrund der Drumherumbauten keinen Kiel erkennen konnte 😀 Jedenfalls beginnt es hier eigentlich erst wirklich spannend zu werden.

Quasi ad-hoc verfalle ich einer rassigen Französin mit tollem Aufbau. Sie hört auf den Namen Jeanneau 33i und hat seeeehr wenig Tiefgang. Tatsächlich hat die Jeanneau 33i, die da vor mir steht nur 0,85m Tiefgang, dank des Kielschwerts (2,2m mit abgesenktem Schwert). Trotzdem hat das Boot eine A-Zertifizierung. Doch wahre Schönheit kommt von innen und da haut es mich vom Hocker. Das Innenraumkonzept könnte direkt meinen Träumen entsprungen sein: hell, praktisch, großzügig. Lust auf einen Rundblick? Dann schaut das Video.

Jeanneau33i-Salonkoje-Backbord
Viel Platz zum liegen im Salon

Dieser kleine Kniff mit dem verschiebbaren Navitisch ist absolut clever und zeigt, dass auch die großen Yachtbauer Sinn fürs Praktische haben und nicht nur Projekte wie Bente24 innovative Nutzungskonzepte vorweisen können. Letztlich wird mit verschobenem Navitisch der Salon der 33i zu einer beinahe vollwertigen 2er Koje. Ich mit meinem 1,72m passe bequem auf die Steuerbordkoje und habe auf der Backbordkoje noch mindestens einen Meter Platz.

Das einzige Manko, es sieht sehr nach Stangenware aus. Trotzdem ist die Jeanneau 33i (ob in der Kielschwertversion oder nicht bleibt zu prüfen) auf jeden Fall der erste Favorit auf meiner Bootsliste.

Ich fasse zusammen:

  1. Über Segelyachten informieren und dabei die eigenen Vorstellungen im Blick haben und diese erneut überprüfen, erledigt
  2. Den Gebrauchtbootmarkt checken, erledigt
  3. Interessante Kontakte knüpfen, erledigt (Dank Nicole, einigen Sportsfreunden der Berliner Segelvereine und Herrn Schulze von Ferropilot)
  4. Nach Schnäppchen bei Segelklamotten suchen, noch offen

Insgesamt bleibt mein Verhältnis zur Boot und Fun zwiegespalten: der Segelyachtanteil und Küsten-/Hochseesegeln ist für meinen Geschmack unterrepräsentiert, Motorboote, Funsport und Daysailer überwiegen.

Ich beschließe, noch die Boot in Düsseldorf im Januar 2015 mitzunehmen.

Share
Interview: Guido Dwersteg – Einhand um den Atlantik

Interview: Guido Dwersteg – Einhand um den Atlantik

Viele wollen es, wenige haben es gemacht und er ist einer von ihnen: den Atlanik bezwingen. Doch damit nicht genug.

Guido-Dwersteg-Action-Sailing-tds
Der 10.000 Meilen Mann in Action

Guido Dwersteg ist nicht nur über sondern um den Atlantik gesegelt … Einhand – d.h. solo, ohne Crew – … und das auf einer knapp 10m Yacht… etappenweise. Und das alles hat er mit einer Kamera festgehalten. Entstanden ist mehr als nur ein Film zum Thema Fahrtensegeln. Es ist ein Abenteuerfilm, eine mehr als 7 stündige Doku über einen Mann, das Meer und sein Boot.

Gerade erst seit Ende Oktober 2014 ist Guido wieder daheim in Koblenz und hat seine Reise, zu der er Mitte 2012 aufgebrochen war, beendet. Umso schöner ist es, dass der 2m Seebär, Blogger und Youtube-Star uns im Interview Einblicke in die Reise, seine Einstellung zum Segeln und seine Erfahrungen auf der Langfahrt gibt.

Guido-Dwersteg-Route-tds
Schön zu sehen: die südliche Passat-Route

TDS: Guido, wie bist du auf die Idee zum Einhandtörn gekommen?

GD: Im Winter 2011/2012 habe ich – wie in der segelfreien Zeit üblich – viel überlegt, was man in der kommenden Saison so machen könnte. Carpe Diem stand zu dieser Zeit in der Ostsee im Winterlager. Also in der Ostsee schippern? Wieder zurück in die Nordsee? Oder mal was wirklich Großes? Die vielen Bücher von Wilfried Erdmann hatten in mir schon lange die Sehnsucht nach einer Langfahrt geweckt. Nicht zuletzt deshalb, aber auch wegen einer persönlichen Krise Anfang 2011 (im März 2011 war ich für einige Monate an einer Depression erkrankt) kam ich dann irgendwann auf die Idee des Atlantik zu überqueren. Irgendwas musste mal wieder geschehen in meinen Leben. Und wenn schon, denn schon… also alleine bzw. Einhand.

TDS: Wie lange war deine Vorbereitungszeit?

Guido-Dwersteg-CarpeDiem-Yacht-Bavaria32-tds
Die Carpe Diem, eine Bavaria 32 Holiday

GD: Im Grunde ging die Vorbereitung unmittelbar nach dem Entschluss zur Reise los, also etwa im Dezember 2011. Das Gros der Dinge war dann im Juni 2012 erledigt.

TDS: Die Carpe Diem (Bavaria 32 Holiday) hattest du schon vor dem Entschluss zum Atlantiktörn. Stand für dich von vornherein fest, dass du mit dem Boot segelst oder gab es Zweifel oder andere Überlegungen?

GD: Tatsächlich habe ich doch einige Zeit damit zugebracht zu überlegen, ob Carpe das richtige Boot für einen solchen Törn ist. Damals ging es ja sogar “nur” um die Passat-Route. An die vermeintlich anspruchsvollere Rücktour über den Nordatlantik habe ich zu dieser Zeit ja noch gar nicht gedacht. Alles in allem kam ich aber dennoch sehr schnell zu dem Entschluss die Fahrt mit Carpe zu machen. Erstens hatte ich ohnehin keine Mittel für ein großartig anderes Boot und zum Zweiten war mein Vertrauen in Carpe schon damals groß.

TDS: Welcher Abschnitt deiner Route war der Herausfordernste?

GD: Die sechs Tage zu den Kanaren und auch die anschließenden neun Tage zu den Kapverden waren für mich schwer. Nach der Biskaya waren dies die beiden ersten echten Langfahrten für mich. Auf dem Weg zu den kanarischen Inseln hat es im Grunde nie weniger als 6 Windstärken gehabt. Das war schon zermürbend wenn man das vorher nicht kennt. Richtung Kapverden war ich dann einfach nicht richtig ausgeruht. Auch hier hatte ich tageweise ordentlich Wind und war letztlich froh, auf den Kapverden für drei Wochen eine Pause einzulegen. Auf der Rückfahrt hatte ich es in den letzten Tagen vor den Azoren schwer. Wenig Schlaf, Starkwind genau gegenan und Sorge ums Boot haben doch am Nervenkostüm gezehrt.

TDS: Es heißt, ein Seemann kann überall jederzeit schlafen. Wie war das während der Fahrt? Hast du leicht in den Schlaf gefunden?

GD: Anfangs war schlafen wirklich schwer. Irgendwann gewöhnt man sich aber tatsächlich an die Unruhe und Bewegung im Schiff. Wenn es nicht gerade richtig gekachelt hat, konnte ich also recht gut schlafen. Nichtsdestotrotz kann man das nicht mit einem gesunden, normalen Schlaf wie zu Hause vergleichen. Man ist schon mehr oder weniger chronisch übermüdet. Als ich wieder zu Hause war hatte ich übrigens das umgekehrte Problem. In meiner ruhigen Heia bin ich spätestens alle Stunde wach geworden und wollte meine Umgebung checken 😉

Guido-Dwersteg-Meer-tds
Wo er da wohl war?

TDS: Wenn du zurückblickst, was würdest du heute vermeiden wollen bzw. anders machen?

GD: Ich würde mir hier und da mehr Zeit nehmen. Auf der Hinfahrt war ich doch manchmal von zu viel Unruhe getrieben und wollte schnell viel Strecke machen.

TDS: Du wirkst in den Filmen (der 2. Teil, Rolling Home ist erst vor wenigen veröffentlicht worden) vor der Kamera sehr routiniert. Insgesamt sind die Filme absolut authentisch, nichts wirkt gekünstelt oder gestellt. Das kommt sehr sympathisch an. Hattest du vor dem Törn bereits Erfahrungen mit filmen und gefilmt werden? Was würdest du denen die auch an Bord filmen wollen mit auf den Weg geben?

GD: Nein, gar keine Erfahrungen. Weder im filmen, noch gefilmt werden. Ich bin da wohl sehr unbedarft und daher auch unaufgeregt dran gegangen. Mich zu verstellen oder Dinge falsch zu schildern, liegt ohnehin nicht in meiner Natur. Die Filme sollten ja in erster Linie auch nur eine Dokumentation für mich selbst und vielleicht ein paar Interessierte werden. Das da so ein großes Ding draus geworden ist, wundert mich bis heute 🙂

TDS: Solide Seemannschaft und gute Selbsteinschätzung sind für einen Skipper selbstverständlich. Was denkst du, sind noch wichtige Eigenschaften für Skipper, die den Atlantik per Segelboot überqueren wollen?

GD: Im Grunde hast du schon die wichtigsten Dinge genannt. Was den Rest betrifft, kommt es meiner Meinung darauf an, ob mit Crew oder ohne. Für eine Crew sollte der Skipper nach Möglichkeit immer Sicherheit und Souveränität ausstrahlen. Dazu gehört auch sowohl Ruhe als auch mal Autorität. Ohne Crew sollte der Skipper vor allem mit sich selbst und der Einsamkeit gut klar kommen. Das sollte man nicht unterschätzen.

TDS: In den letzten Jahren bist du nicht nur Einhand gesegelt. Wenn du eine Erfahrungen Einhand mit Crewsegeln vergleichst, worin bestand die größte Herausforderung, eher in alltäglichen Sachen, oder nautischen Belangen oder mental?

GD: Wie schon zuvor beschrieben, sollte man beim Einhand segeln gut mit sich und der Situation klar kommen. Wer ein Problem mit dem alleine sein hat oder schnell Angst bekommt, sollte sich gut überlegen alleine in See zu stechen.  Auch mir hat dann und wann der Austausch mit einem Gegenüber gefehlt. Dafür nervt aber auch keiner 😉 Das man beim alleine segeln eben alles (aber auch wirklich alles) alleine machen muss, versteht sich mehr oder weniger von selbst. Da geht keiner mal für dich Wache, kocht dir, nimmt dir ein Manöver ab oder schlüpft für dich ins nasse Ölzeug. Das machst immer du selbst und kann mitunter ganz schön anstrengend und auch mal nervig werden. Auch darüber sollte man sich im Klaren sein.

TDS: So ganz ohne Blessuren hast du den Törn nicht überstanden: an ner Muschel geschnitten, den Finger aufgerissen, unterwegs an der Bandscheibe operiert. Gab es unterwegs einen Punkt, an dem du hinschmeißen wolltest?

GD: Du hast den gebrochenen Zeh Richtung Kanaren vergessen 🙂 Die Blessuren waren natürlich ärgerlich, aber im Grunde nie ein Grund hinzuschmeissen. Zugegeben, die Bandscheibe hat mich schon ganz schön aus der Bahn geworfen. Da war ich aber ja schon fast zu Hause. Wenn ich mal wirklich übers aufgeben nachgedacht habe (und das tut man natürlich), dann eher wegen Erschöpfung nach langen anstrengenden Etappen oder aber wenn ich mich mal wirklich alleine gefühlt habe.

TDS: Wie hast du es angestellt, dass deine Frau/Freundin so hinter der Sache steht?

GD: Habe vorher die richtige Frau ausgesucht 😉

TDS: Dein Törn hat auch einen karitativen Hintergrund. Du hast Spendengelder für HELFT UNS LEBEN!, eine Initiative der Rhein-Zeitung, gesammelt. Magst du uns dazu noch was erzählen?

GD: Klaro. Die Idee mit dem Spenden sammeln kam mir ziemlich früh. Ich glaube damals war bei mir in der Gegend ein Sponsorenlauf oder so was. Was lag da näher, als auch mein Abenteuer mit einem guten Zweck zu verbinden. Schnell war damals mit HELFT UNS LEBEN! ein guter und zuverlässiger Partner hier vor Ort gefunden, der das ganze auch noch redaktionell etwas aufbereitet hat. Insgesamt kamen dabei knapp 5000 EUR für ein Hilfsprojekt in der Sahelzone zusammen. Coole Sache. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an alle Spender und “Meilen-Sponsoren”.

TDS: Vielen Dank, dass du dir die Zeit für uns genommen hast. Gut Wind und immer ne handbreit Wasser unterm Kiel!

 

Links im Beitrag:

http://www.helft-uns-leben.de/

http://www.törn.de/

http://www.segel-filme.de

 

Share