Messebesuch: Boot & Fun Berlin 2014 – Ein Rückblick

Letzten Sonntag. 30.11, war es soweit. Bei dem 1. Advent angemessenen frostigen Temperaturen ging es per S-Bahn zum ICC und zur Messe. Meine Erwartungen an die Boot & Fun waren hoch, wahrscheinlich zu hoch. Vielleicht war der Besuch auf der hanseboot einige Wochen vorher daran Schuld, denn diese war mein Maßstab für die Boot und Fun in Berlin. Das war wahrscheinlich mein Fehler.

Doch besser beginne ich von vorn. Bereits vor der Messe hat ich mich auf der Website etwas über das Programm informiert. Es klang in etwa mit der Größe der hanseboot vergleichbar. Gute Sache, hat diese mir doch gut gefallen. Ein Plan war also schnell gefasst.

  1. Über Segelyachten informieren und dabei die eigenen Vorstellungen im Blick haben und diese erneut überprüfen
  2. Den Gebrauchtbootmarkt checken
  3. Interessante Kontakte knüpfen
  4. Nach Schnäppchen bei Segelklamotten suchen (Segeljacke, Segelhose, ggf. Bootsstiefel/-schuhe, ihr kennt das)

Schnell an der Kasse den Eintritt abgedrückt und das Ticket geschnappt. 25m nach der Ticketkontrolle die erste Überraschung: eine Halle komplett zum Thema Kanu, mit Becken, um gleich loszutesten. Klasse Sache! Ich persönlich liebe es mit dem Kajak Flüsse entlang zu paddeln. Immerhin heißt die Messe „Boot und Fun“ und auch ein Kanu oder Kajak ist ein Boot. Kurz rumgeschaut und für nett befunden, aber ich kenne Spezialmessen, etwa die PaddelExpo in Nürnberg, die da mehr zu bieten hat. Also weiter im Text, irgendwo müssen meine Segelyachten ja sein.

Die nächste Halle war ganz und vollständig dem Angelsport gewidmet. WOW, ich wusste gar nicht, dass das Thema Sportangeln (oder Sportfischen, der Unterschied ist mir nicht klar, aber wahrscheinlich furchtbar wichtig) so komplex ist. Es gab sogar eine Bühne, wo Redner vor artig sitzenden Publikum über die Eigenschaften bestimmter Fischarten in bestimmten Gewässern referierten. Gut, Angeln schreibe ich dann mal dem Fun in „Boot und Fun“ zu. OK, aber weiter, irgendwo müssen ja meine Segelboote sein.

Halle Nr. 3, Tauchen, Surfen, Funsportarten, wieder Fehlanzeige, dafür viele Neoprenanzüge und bunte Badeshorts. Nett, aber noch keine Boote. Ich beginne zu zählen, 2:1 für die „Fun und Boot“.

Nächste Halle, ich sehe SEGEL, heureka! Doch nicht etwa die gedachten SegelYACHTEN meiner Vorstellung. Vorwiegend Daysailer und Boote in der Größenordnung um die 25 Fuß. Dazu Segelzubehör, Dienstleister, wieder eine Bühne (es ging glaube ich gerade um Bootsversicherungen und Schadensfälle) und Segelvereine. Und am Rand der Halle, da entdecke ich doch einen alten Bekannten von der hanseboot. Stephan und Polly von Diggerhamburg.com präsentieren in Berlin den Stand der Dinge beim Bente24 Projekt. Kurz mal vorbeigeschaut, die neusten Konzepte an der Pinnwand begutachtet, hallo gesagt und weiter gehts. Schließlich gibt es einen Plan.

Windcatcher-Nicole-tds
Windcatcher auf der Boot und Fun

In der Halle nebenan, wo die Wakeboarder sich austoben, damit steht es 3:2 für Fun vs Boot, treffe ich Nicole von Windcatcher. Wir hatten uns per Facebook verabredet, weil ich unbedingt mehr über die handgenähten Taschen aus Segelstoff erfahren wollte. Der Clou ist nämlich, dass das Segel, welches das Material für die Taschen liefert, eine bewegte Geschichte hat. Doch das würde den Rahmen hier sprengen. Mehr an anderer Stelle.

Die Hälfte der Messe habe ich gesehen und bislang wenig von meiner Liste erledigt. Ob sich das noch ändert? Also weiter gehts, nächste Halle. Hier dreht sich alles um Motoren, Yachtelektronik und Zubehör. Spannend, zumal ich mir eh vorgenommen habe insbesondere in das Thema Elektronik und Elektrik einzusteigen. Am Stand von Ferropilot nimmt sich sogar der Chef persönlich Zeit, meine unbedarften Anfängerfragen ernsthaft und verständlich zu beantworten. Und das sind nicht wenige: Was sind Vor- und Nachteile unterschiedlicher Batterien? Wie stelle ich sicher, dass alle Batterien angemessen geladen werden? Wie rechne ich Verbraucher so ein, dass ich die passende Batteriegröße finde? Ich habe da jetzt einige Hausaufgaben vor mir 🙂 Doch weiter durch die Halle und tatsächlich entdecke ich einen Stand mit Klamotten. Halt, zurück, ja, i c h  e n t d e c k e  E I N E N  S t a n d  m i t K l a m o t t e n. An der Stelle sei abgekürzt, auf der ganzen Messe, in 11 Hallen, sind ganze zwei Stände mit Coastal oder Offshore-Segelklamotten, davon beide in der erwähnten Halle. Und diese Stände sind nicht etwa besonders groß. Nach dieser Halle lasse ich alle Hoffnung fahren auf der Messe überhaupt noch was Interessantes zu finden. Ich soll mich irren – GOTT SEI DANK!

Auch hier kürze ich die restliche Messerennerei ab. In immerhin drei Hallen gibts es unterwegs große lange Pinnwände, auf denen Gebrauchtboote angeboten werden. Motorboote und Daysailer überwiegen deutlich, aber auch die ein oder andere Segelyacht 31+ Fuß ist dabei. Einge davon auch in der Preisklasse, die ich inzwischen ungefähr anpeile. Immerhin gibt mir das ein Gefühl nicht komplett mit meinen Anforderungen daneben zu liegen. Man muss halt nur suchen.

Schließlich finde ich dann auch noch ein paar größere Segelyachten. Ich bin tatsächlich zweimal dran vorbeigelaufen (!!). Weshalb, weil die verdammten Dinger keinen Mast dran hatten und ich aufgrund der Drumherumbauten keinen Kiel erkennen konnte 😀 Jedenfalls beginnt es hier eigentlich erst wirklich spannend zu werden.

Quasi ad-hoc verfalle ich einer rassigen Französin mit tollem Aufbau. Sie hört auf den Namen Jeanneau 33i und hat seeeehr wenig Tiefgang. Tatsächlich hat die Jeanneau 33i, die da vor mir steht nur 0,85m Tiefgang, dank des Kielschwerts (2,2m mit abgesenktem Schwert). Trotzdem hat das Boot eine A-Zertifizierung. Doch wahre Schönheit kommt von innen und da haut es mich vom Hocker. Das Innenraumkonzept könnte direkt meinen Träumen entsprungen sein: hell, praktisch, großzügig. Lust auf einen Rundblick? Dann schaut das Video.

Jeanneau33i-Salonkoje-Backbord
Viel Platz zum liegen im Salon

Dieser kleine Kniff mit dem verschiebbaren Navitisch ist absolut clever und zeigt, dass auch die großen Yachtbauer Sinn fürs Praktische haben und nicht nur Projekte wie Bente24 innovative Nutzungskonzepte vorweisen können. Letztlich wird mit verschobenem Navitisch der Salon der 33i zu einer beinahe vollwertigen 2er Koje. Ich mit meinem 1,72m passe bequem auf die Steuerbordkoje und habe auf der Backbordkoje noch mindestens einen Meter Platz.

Das einzige Manko, es sieht sehr nach Stangenware aus. Trotzdem ist die Jeanneau 33i (ob in der Kielschwertversion oder nicht bleibt zu prüfen) auf jeden Fall der erste Favorit auf meiner Bootsliste.

Ich fasse zusammen:

  1. Über Segelyachten informieren und dabei die eigenen Vorstellungen im Blick haben und diese erneut überprüfen, erledigt
  2. Den Gebrauchtbootmarkt checken, erledigt
  3. Interessante Kontakte knüpfen, erledigt (Dank Nicole, einigen Sportsfreunden der Berliner Segelvereine und Herrn Schulze von Ferropilot)
  4. Nach Schnäppchen bei Segelklamotten suchen, noch offen

Insgesamt bleibt mein Verhältnis zur Boot und Fun zwiegespalten: der Segelyachtanteil und Küsten-/Hochseesegeln ist für meinen Geschmack unterrepräsentiert, Motorboote, Funsport und Daysailer überwiegen.

Ich beschließe, noch die Boot in Düsseldorf im Januar 2015 mitzunehmen.

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Messebesuch: hanseboot 2014

Wir waren auf der hanseboot 2014 in Hamburg. Für mich war es die erste Bootsmesse seit etwa 10 Jahren. Sinn des Besuchs war es einerseits Melly an das Thema Yachten heranzuführen, einige Bootstypen als potentielle Kandidaten zu „scouten“ und auch einen Überblick über den aktuellen Stand der Möglichkeiten zu bekommen.

Zumindest den ersten Teil können wir als erfolgreich verbuchen 🙂 Nachdem die anfängliche Skepsis überwunden und die ersten Yachten begutachtet wurden, ging es ganz flott, „Das gefällt mir!“, „Wahnsinn wie viel Platz hier ist!“, „Das ist doch so totaler Unfug!“, usw. Ich hab mich bemüht so viel wie möglich zu erklären. Was ist der Unterschied zwischen Lang- und Kurzkiel? Wo liegen die Vor- und Nachteile? Wie läuft das mit Steuerrad oder Ruder? Weshalb ist mir was beim Boot wichtiger und was weniger? Besonders haben es uns zwei Decksalon Yachten angetan, doch zu denen an anderer Stelle mehr.

Dann gab es natürlich noch Stephan und Polly. Es war schön Stephan mal live zu erleben. Voll Inbrunst hat er vom Bente 24 Projekt geschwärmt und man merkt, dass der Mann voll und ganz dahinter steht. Das neue „Volksboot“ – so der Bente Untertitel – ist schon sehr interessant und auch die Idee des Downsizing in Anwendung auf ein modernes Boot zu sehen ist toll, aber für unseren Plan orientieren wir uns doch an 31+ Fuß. Leider war Stephan so unter Beschlag von Besuchern, dass fast keine Zeit für einen ausführlichen Schnack blieb. Ich hoffe, wir können das nachholen.

Genau am Stand von Bente 24 kam es aber zum für mich schönsten Messemoment, vielleicht sogar zum Wiedersehens des Jahres: mir lief mein lieber Freund und ehemaliger Vorschoter aus Jugendzeiten Thomas aus Neubrandenburg mit seiner Freundin über den Weg. Kaum vorzustellen, wir hatten uns wohl vor 14 Jahren das letzte Mal gesehen.

Ganz am Rande gab es noch eine Minipremiere. Anstatt klassisch ein Hotelzimmer für den Messebesuch zu buchen, hatte ich über airbnb.de ein Zimmer reserviert, per App auf dem Handy. Total klasse Sache!

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