Know How: Welche Nachweise brauche ich? Was muss ich können? Was muss ich wissen?

Obwohl ich kein Segelneuling bin und auf 24 Jahre Erfahrung auf dem Wasser, als Crewmitglied und als Skipper, zurückblicken kann, habe ich ungeheuren Respekt vor der Aufgabe, die ich mir gestellt habe. Vielleicht aber gerade auch deswegen.

Der Törn rund um Europa führt über einige der am schwierigsten zu befahrenen Gewässer. Da wäre etwa der Ärmelkanal, die am stärksten befahrenen Seeschiffahrtsstraßen der Welt mit komplexen Tiden und Verkehrstrennungsgebieten zwischen den Ost- und Westrouten. Da ist die Biskaya, mit dem Kontinentalschelf, Atlanikwellen und unberechenbaren Westwinden. Und nicht zu vergessen die Straße von Gibralta mit ihren berüchtigten Windwechseln.

Davon abgesehen gelten unterwegs sicherlich unterschiedliche rechtliche Vorschriften: Einklarieren, Ausklarieren, Flaggenführung, Schiffspapiere und Bootsversicherung, Seefunk, Skipperbefähigung, bauliche Bestimmungen des Boots, usw. Davon habe ich ehrlich gesagt noch nicht die geringste – oder zumindest nur wenig – Ahnung. Natürlich habe ich den Sportbootführerschein Binnen und See, aber reicht das? Muss ich beim Kauf des Boots an besondere bauliche Vorschriften denken? Zum Beispiel herrscht in der Türkei eine Tankpflicht, deren Entleerung über eine Bluecard kontrolliert wird. Das bedeutet gleichzeitig, dass ich überhaupt erstmal einen Fäkalientank brache (auch Blackwater-Tank genannt, in Abgrenzung zum Greywater, welches Dusch- und Pantryabwasser ist).

Mein vielleicht größtes Handicap ist, dass ich von Motoren überhaupt keine Ahnung habe, noch nie ein Funkgerät angefasst habe und auch eher handwerklich zwei linke Hände habe – wenngleich mit großem Improvisations- und Überlebenstalent gesegnet.

Last but not least, gilt  es meine bessere (wirklich viel viel viel bessere) Hälfte auch „mitzunehmen“. Sie als Segelneuling an allen Themen teilhaben zu lassen, immerhin ist sie Co-Skipper und sollte im Notfall in der Lage sein „den Kahn ins Trockene“ zu bringen und auch sonst soll uns das ganze Vorhaben gemeinsam weiterbringen.

Nun steht erstmal die Wintersaison vor der Tür und mit segeln ist für die nächsten Monate Feierabend. Die perfekte Zeit, um die zuletzt genannte Punkte anzugehen.

  • Verständnis schaffen & Leidenschaft für das Vorhaben entfachen
  • SRC-Funkzeugnis machen
  • Charterplanung für 2015, um Wissen- und Erfahrungslücken zu schließen

 

Share

Planung: Wo fange ich an? Bootskauf? Törnplanung? Zeitlichen Rahmen abstecken? Budget aufsetzen?

Nachdem der Entschluss erstmal gefasst ist, prasseln HUNDERTE von Fragen auf mich ein und damit stellt sich das Problem: wo anfangen?
Das Wichtigste vorab – das bete ich seit Wochen täglich wie ein Mantra vor mir her.

Ein Bootskauf und eine Langfahrt sind keine Raketenwissenschaft.

Das ist vielleicht wirklich schon die wichtigste Erkenntnis. Man muss es sich also nicht zu kompliziert machen. Aber wozu dann überhaupt dieser Blog? Meine Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass eine gute Planung gepaart mit der nötigen Flexibilität die Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung erhöht. Sprich, wenn man sich vorher Gedanken macht, dann ist das Vorhaben einfacher umzusetzen.

Deshalb also Planung und damit anfangen, die einzelnen Themen zu Blöcken zusammenzufassen.

Die Planung als Mindmap von http://bubbl.us
Die Planung als Mindmap von http://bubbl.us

Meine großen Herausforderungen sind also Budget, Zeitrahmen und der Aufbau von Wissen. Zu jedem dieser Themenblöcke gibt es Unterthemen die wiederum Unterpunkte haben können. Man sieht sehr schön, wie die groben Themen nach unten immer konkreter werden. „Know-How aufbauen“ klingt noch sehr schwammig. „Einen Erste Hilfe Kurs machen“ ist dagegen schon ein ganz konkretes Vorhaben. Diese erste Planung wird sicherlich für jeden der sie macht unterschiedlich ausfallen. Der ein oder andere wird vielleicht noch einen Seeschein oder SKS oder ein anderes Zeugnis machen wollen. Mit meinem Sportbootführerschein See fühle ich mich gut bedient, daher entfällt das bei mir unter Qualifikation.

Ich habe auch gleich überlegt, wie einzelne Themen miteinander zu tun haben. So hat das Budget natürlich auch Einfluss auf den Zeitrahmen. Ist ja auch klar, je mehr Budget da ist, desto länger kann die Tour gehen. Oder auch die Abhängigkeit des Yachtkaufs von der Tourenplanung, viele kurze Törns mit Liegenzeiten in Häfen begünstigen ein kleineres Boot, wegen der nicht geringen Liege- und Unterhaltskosten. Die Tourenplanung bestimmt aber letztlich auch, an welchen Stellen ich noch vorab Reviererfahrung aufbauen will, etwa auf dem Ärmelkanal, der Biskaya oder oder oder.

In der nächsten Zeit nehme ich mir die einzelnen Punkte genauer vor. Hab ich was vergessen?

Share

Wie es begann – Was bringt einen Normalo auf die Idee sich ein Boot zu kaufen?

Segeln, Meer, Boote allgemein haben es mir schon immer sehr angetan. Doch reicht das wirklich aus, um sich in das Abenteuer „Eigene Yacht“ zu stürzen und dann gleich einen Plan wie 3.500 sm rund um Europa anzugehen?

Vorweg, Menschen wie mich gibt es Tausende und Abertausende, direkt um Sie herum und vielleicht sind Sie sogar „wie ich“: wir haben irgendwann in Kindertagen segeln auf dem Opti gelernt, sind später auf größere Jollen gewechselt. Später dann haben wir auch mal den Binnen- und Seeschein gemacht und jetzt, vielleicht im Höhepunkt des Berufslebens, finden wir nicht mehr wirklich die Zeit segeln zu gehen. Alle Jubeljahre chartern wir uns irgendwo ein und natürlich, ja, Urlaub an der Küste, so oft es geht. So mit schön am Strand liegen, baden und spazieren gehen.

Genau das ist meine Ausgangslage. Und ich bin es leid nicht zu machen, was ich wirklich will, segeln.

Deshalb wird jetzt auf konkrete Ziele hingearbeitet:

  1. In (oder ab) 2016 ein Boot kaufen
  2. Mit dem Boot (wo auch immer der Starthafen sein mag) rund um Europa bis ins zentrale Mittelmeer
  3. Den Song „What shall we do with the drunken sailor“ auf der Ukulele spielen lernen

Share